„Das Zaudern und Zögern, das Aufschieben und Anhalten: Gerade dies erzeugt einen ungeheuren Stau an Möglichkeiten, die sich nicht in den Fluß des Wirklichkeit zu transformieren vermögen, sondern eine Art Paralleluniversum des bloß Denkbaren bilden. Danach aber verwandeln sich die Möglichkeiten zu Inkompossibilitäten, die in wechselseitiger Blockierung nebeneinander bestehen, ohne miteinander geordnete Relevanzhierarchien und Schrittfolgen bilden zu können.“

Meine Mutter hat das prägnanter ausgedrückt: „Du verzettelst dich, Junge!“

Das steckt doch in den meisten von uns: Unsicherheit, Angst vor Bedeutungslosigkeit und der permanente Drang, im Leben nie stillstehen zu dürfen. Nach ein paar Minuten MTV und der 40-Zimmer-Villa nebst 120-Auto-Garage von P.Diddy & Co. sehe ich nur meine mickrige Existenz, meinen Unwert.

Damals, als dieser alte Notar während meines zweiten mündlichen Staatsexamens eingeschlafen war, hätte ich aufspringen, seinen Schlips und damit das ganze verdammte Justizministerium anzünden sollen. Hätte.

Heute steht es wie damals und die selben alten, selbstgerechten und überheblichen Säcke urteilen über aufgeregte Referendare. Die wiederum sind selber schuld, daß sie diesen Mist mitmachen. Damit meine ich vor allem jene – den Großteil – die gar nicht mehr wissen, warum sie Jura eigentlich studiert haben.

Zwar bin ich damals mit einem Abschluß rausgekommen. Aber in jenem Moment, als der Alte uns etwas vorschnarchte, kam die Erkenntnis mit aller Wucht, daß wir uns permanent nur drücken lassen. Und zwar von alten, mürben, lebensmüden und gleichgültigen Kerlen und dem gleichen System. Und das gilt nicht nur für angehende Juristen.

Amokläufer sind eben keine abgeklärten Zyniker, sondern wohl die sensibelsten Menschen.

Schlüpferspionage...Ich bin weißgott keiner, der’s nicht mit Technik hat. Aber irgendwann.. Naja, letztens laufe ich mal zu Deichmann rein, da piept doch dieser Detektor am Eingang und verwickelt mich in einen netten Plausch mit einer Verkäuferin.
Nach 1,5 Minuten war ich wieder raus, denn mich beschäftigte die Tatsache, daß ein RFID-Chip irgendwo in meinen Klamotten war so sehr, daß ich keinen Nerv für die Billigtreter um mich besaß.
Heute aber… heute fühlte ich im Büro irgendwas im Rücken kratzen. Seltsames Viereck. Da dachte ich mir nichts dabei. Als ich aber aus der Badewanne stieg, fiel mir dieses seltsame Viereck in meinem Schlüpfer auf. Ein Schauer erfaßte mich und ich zog kräftig an einer Ecke. Da kommt doch tatsächlich eine Antenne zu Vorschein – konzentrisch um einen unsichtbaren Mittelpunkt gewickelt. Ich vermute den RFID-Chip. Nein, ich weiß, daß da einer ist!

Verdammt – Spionage in der Unterwäsche. Jetzt geht’s ab. Hier gleich der Verbraucherschutzhinweis: BOXERSHORT VON METRO. 3ER PACK. Label: ….äh, vergessen…

Hier wird endlich aufgebaut, was seit Jahren runiert wurde: Der Dorfladen kommt zurück. Sein Ruin war vor Jahren Konsequenz und Voraussetzung eines ultra-kapitalistischen Systems der Konzernbildung.
Geld im Fluß halten – aber in der Gemeinde. Das ist das Motto, Monopole einzugrenzen und den Schattenseiten der Globalisierung heimzuleuchten. Das Interessante ist an der Dorfladen-Strategie, daß die Einwohner Anteilseigner einer Genossenschaft sind. “Mein Shop, also shoppe ich hier!”. Aldi, Lidl, Schlecker, Obi, Metro – fuck off!

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