Gibt es philosophische Erkenntnis, so ist das das Überkommen bisheriger Paradigmen. Solche Erkenntnis ist im philosophischen Kontext wie eine Flüssigkeit: Sie ist nicht greifbar. In einem Dialog mit anderen muß diese standhalten – und wenn sie nicht zerschmettert wird, werden ihre Ecken und Kanten bestenfalls beschliffen. In zeitlich-historischem Kontext ist auch diese Erkenntnis nur eine Stufe in einer größeren. Aber gerade diese Angreifbarkeit ist Notwendigkeit und Problem der Praktikabilität von Philosophie: Sie muß zu einer Ideologie werden, um von praktischem Nutzen zu sein. Ihr müssen einfache Handlungsgrundsätze entlehnt werden, um in der Realität der menschlichen Willkür Ausdruck finden zu können. Das Dilemma beginnt ab eben diesem Zeitpunkt: Ideologie ist keine Philosophie, keine Flüssigkeit mehr. Vielmehr ist Ideologie geronnene Philosophie – so, wie aus Politik das Gesetz gerinnt. Und ab jenem Moment der Gerinnung geht sie an der Wirklichkeit vorbei. So, wie sich Gesetz immer wieder den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen muß, muß es auch eine Ideologie. Doch das hat bisher nie funktioniert. (Darüber hinaus entfernen sich einfache Handlungsgrundsätze von dem diffizilen Gleichgewicht einer Philosophie. Sie verkommt zu einem stupiden, stumpfen, auswendig gelernten, unverstandenen und ritualen Instrument zur Massenkontrolle.)

….oder Assimilation?

Warum der Mensch nicht aufgeklärt sein kann? Weil er ein Affe ist und bleibt. Manch einer möge nun meinen, der macht es sich zu leicht, der Affe. Ja, warum soll er es sich auch schwer machen?

Hier liegt der Punkt: Wir sind “physikalisch” konditioniert, uns den Weg des geringsten Widerstandes zu suchen. Und schon scheitert Aufklärung. Es ist unbequem und ängstigend, alte Pfade zu verlassen und einen neuen (oder gar keinen!) in Aussicht gestellt bekommen. Wenn dir einer sagt, verlasse deinen alten Weg und … ja, eben nichts weiter. Dann stehe ich da, orientierungslos, ahnungslos, mutlos.

Da kommt es vor, daß ich schaue, was mein Nachbar macht, der Affe. Der läuft nach rechts. Da laufe ich doch mit! Und wenn mein Nachbar mit einem eloquenten Mundwerk ausgestattet ist und von dem “rechten” Pfad überzeugt ist, wird es umso leichter, noch ein paar Affen mehr mit auf den Weg zu nehmen. Wir können auch “Schäfchen” aus den Affen machen. Egal. Das Prinzip bleibt gleich.

Damit ist schon bewiesen, was bewiesen sein muß: Demokratie funktioniert nicht. Unser ureigenstes Inneres verbietet es. Demokratie setzt den mündigen Menschen voraus (sapere aude! usw) – und, gibt es den? Wieviele?

Die Mündigen, die Kritischen, die Denkenden wandeln auf einsamen Pfaden. Die hört keiner.

Ist diese Sichtweise antiquiert? Mag sein: Sie gilt nicht für die individualistische westliche Gesellschaft, wo weite Teile der Ideologiegläubigkeit überwunden sind. Aber das bedeutet nicht, daß der Mensch nicht der selbe Affe oder das Lämmchen geblieben ist. Unterschied heute: Wir rennen nicht blindlings einem Anführer hinterher. Davon haben uns Mao Tse Tung, Lenin, Hitler, Erich und Ratzinger geheilt. Dennoch erstaunlich, daß Che Guevara so romantische Verehrung erfährt.

Und das macht sich subtil-pervers eine neue Maschinerie zunutze, die uns alle unsere Ideologien, Irrglauben und Hirngespinste läßt. Wir können jeden Pfad einschlagen, jedem Affen hinterherlaufen, aber die Wege, die wir beschreiten sind immer von dieser Maschinerie beherrscht. Das begreifen wir nur nicht.

Wir laufen vielleicht keinem Affen mehr hinterher, sondern gehen unseren “individuellen” eigenen Weg. In Markenjeanshosen. Mit schicken Sonnenbrillen. Mit dem falschen Bewußtsein, überall hingehen zu können und ohne Suppression. Wir wissen, daß da draußen ein Ungetüm herrscht, daß sich “Neoliberalismus” oder “Deutsche Bank” nennt – aber wir fühlen uns frei.

Das Neue ist: Wir wandeln allesamt auf Pfaden, die der Deutschen Bank gehören.

Rise of evil...Wenn der Mensch handelt, dann hat er vorher Prioritäten gesetzt. ‘Was mache ich zuerst?’ mag er sich vorher gefragt haben. Man hat ja immer mehr als eine Sache zu erledigen. Dem Bundestag mangelt es natürlich ebensowenig wie dem Einzelnen an Aufgaben. Nur feststehende Prioritäten hat er nicht. Fragt man einen Politiker nach Wirtschaft, ist die momentan natürlich höchste Priorität. Fragt man ihn nach der Bildungspolitik mag er schon ins Stocken kommen: Die hat natürlich auch Priorität.

Das nimmt dem Wort Priorität im diplomatischem Aspekt jeden Sinn. Priorisierung bedeutet “der Vorderere”, aus dem Latein von prior. Es kann also nur einen geben. (weiterlesen…)

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Na gugge hin…

180px-guttenberg-800Aus einer Adelsfamilie ist er, unser neuer Wirtschaftsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg. Da schau hin! Eine mit langer politischer Historie. Erstes Staatsexamen mit s.c.l. und Dr. iur. Dazu noch Sohn, Obmann, Uffz der Reserve, Aufsichtsrat, Staatskanzlei-Mitarbeiter. Mit gerade 37  Jahren der jüngste Wirtschaftsminister und er hat schon einen extensiven Wikipedia-Eintrag. Ich spekuliere nur mal: Warum treten die Alten ab? Haben die Angst vor der new economy, die eigentlich nur ein hastvoller Überbau der guten alten ist? Meinen sie, nur die Jungen könnten mit dem wildgewordenen Köter Neoliberalismus umgehen? Wäre jedenfalls denkbar. (weiterlesen…)

Viel schlimmer als die äußere ist die innere, die psychische Homogenität, die sich in der Moderne ergeben hat. Vielleicht begann das schon mit Luther und seiner Übersetzung der Bibel: Die psychische Gleichschaltung durch einheitliche Medien. Damals war die Bibel das Standardwerk – wer konnte sich schon andere Bücher leisten? Menschen, die lasen, lasen diese und entnahmen den Zeilen die für ihren Geist von da an gültige Wahrheit. (weiterlesen…)