Verdammte Kinder! Man will “Lehren” ziehen aus dem Tod von 19 Love-Parade Besuchern. Neben den Rücktrittsforderungen gegenüber dem Oberbürgermeister wird heftig gekreiselt in der Politik. Das gehört zum guten Ton.
Wenn ich von verdammten Kindern rede, dann nicht von den unglücklichen Opfern. Es sind jene, die nun von allen Seiten Konsequenzen sehen wollen: ob Demontage ungeliebter Politik-Mitstreiter oder Installation der eigenen Wichtigkeit durch “Maßnahmen” aller Art.
Maßnahmen wie “bundeseinheitlicher Sicherheitsregelungen für Großveranstaltungen”.
Da kann man sich schon fragen, ob die bisher geltenden Vorkehrungen nicht genügt haben. Die Antwort liegt allerdings in den Rücktrittsforderungen gegen den OB: Angeblich wurden Vorschriften nicht beachtet. Es gibt sie also doch!
Und was ziehen wir für Lehren? Keine Ahnung. Ich ziehe jedenfalls die: Es wird nicht nachgedacht, sondern jeder macht das, was er am besten kann. Politiker können Politik machen – diese gerinnt zu Recht. Also mehr Verordnungen und Gesetze.
Aber wer stellt DIE Frage in diesem Fall, die da lauten würde: “Wer garantiert, daß die alten-neuen Vorschriften von anderen Behörden eingehalten werden?”

Es ist inzwischen bei den Politikern angekommen: Der Übermacht der Banken (und nicht nur der) ist politisch nicht beizukommnen. War ihr noch nie. Der Spruch, der laissez-faire-Kapitalismus sei ein bissiger Hund, der losgelassen wurde, nimmt Konturen an: Die eines wütenden Köters, der – solange sein Herrchen ihn an der Leine hatte – folgsam und brav war. Nun läßt er sich nicht mehr an die Leine legen.
Während der Kapitalismus jahrzehntelang (seit den 70ern) durch die Welt streifte, schnüffelnd, suchend, fressend und scheißend sind die Amtsstuben unten verstaubt und oben mit opportunistischen Marionetten besetzt. Es ging jahrzehntelang gut. Der Hund ließ der Politik ein paar saftige Knochen übrig derentwegen er noch von Steuergeldern gestreichelt wurde (“Wirtschaftsstandort”). Man nannte den Köter zeitweilig “Heuschrecken” – eher die Atome, aus denen er gemacht ist. Das war in Deutschland kurzweilig ein kleiner Bewußtseinsschub: Da, wo der Kapitalismus auftaucht, hinterläßt er verbrannte Erde. Trotzdem hat sich nicht viel getan seither.

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Schade

Die (ehemalige) Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, ist einen Schritt zurückgegangen. Sie ist wohl ein Mensch mit Format: Deshalb ist sie zurückgetreten. Schade nur, daß diejenigen mit weniger Format gerade das nicht getan haben. Das sollte uns zu denken geben.

Gibt es philosophische Erkenntnis, so ist das das Überkommen bisheriger Paradigmen. Solche Erkenntnis ist im philosophischen Kontext wie eine Flüssigkeit: Sie ist nicht greifbar. In einem Dialog mit anderen muß diese standhalten – und wenn sie nicht zerschmettert wird, werden ihre Ecken und Kanten bestenfalls beschliffen. In zeitlich-historischem Kontext ist auch diese Erkenntnis nur eine Stufe in einer größeren. Aber gerade diese Angreifbarkeit ist Notwendigkeit und Problem der Praktikabilität von Philosophie: Sie muß zu einer Ideologie werden, um von praktischem Nutzen zu sein. Ihr müssen einfache Handlungsgrundsätze entlehnt werden, um in der Realität der menschlichen Willkür Ausdruck finden zu können. Das Dilemma beginnt ab eben diesem Zeitpunkt: Ideologie ist keine Philosophie, keine Flüssigkeit mehr. Vielmehr ist Ideologie geronnene Philosophie – so, wie aus Politik das Gesetz gerinnt. Und ab jenem Moment der Gerinnung geht sie an der Wirklichkeit vorbei. So, wie sich Gesetz immer wieder den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen muß, muß es auch eine Ideologie. Doch das hat bisher nie funktioniert. (Darüber hinaus entfernen sich einfache Handlungsgrundsätze von dem diffizilen Gleichgewicht einer Philosophie. Sie verkommt zu einem stupiden, stumpfen, auswendig gelernten, unverstandenen und ritualen Instrument zur Massenkontrolle.)

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An der Basis

…ist die Ideologie immer am größten.

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CO²

Die “2″ steht unten beim CO. Runter soll’s auch gehen – nämlich in eine Tiefe von 700 Metern. Dort soll CO2 gelagert werden. Einfach entsorgen. In den Blasen, die wir räuberisch hinterlassen haben. Daran, einfach mal ein paar Bäume zu pflanzen, die das Gas wieder in Sauerstoff umwandeln, denkt wohl keiner? (weiterlesen…)